Die Tier- und Pflanzenwelt des Naturparks Schlaubetal

Der Naturpark Schlaubetal beherbergt eine Vielzahl von Tieren. So wurden bisher allein 385 Tierarten im Naturpark gefunden, die in der Roten Liste der gefährdeten Arten von Brandenburg aufgeführt sind, so zum Beispiel die Italienische Schönschrecke. Brandenburgweit konnte der Hochmoor-Perlmutterfalter nur noch im Naturpark Schlaubetal nachgewiesen werden.

Säugetiere

Von den bekannten Säugetierarten sind 15 Arten in der Roten Liste der gefährdeten Tiere im Land Brandenburg enthalten. Neben dem Fischotter sind noch weitere Säugetiere für das Schlaubetal charakteristisch, zum Beispiel der Große Abendsegler, das Braune Langohr, der Baummarder und der Siebenschläfer.

Der Graue ist zurück

Wolf (Naturpark Schlaubetal - Ralf Hartwig)

Vor etwa 15.000 Jahren hat der Mensch die ersten Wölfe aufgezogen und als Haustiere gehalten. Damit nahm die Erfolgsgeschichte des Hundes, des ersten vom Menschen domestizierten Tieres, ihren Lauf. Erst mit Beginn der Viehhaltung änderte sich die Einstellung zum Wolf grundlegend.

Wölfe, als große Beutegreifer, sind auf die Jagd nach großen Huftieren spezialisiert. In Mitteleuropa ernähren sie sich vor allem von Rehen, Hirschen und Wildschweinen. Aber selbst in wildreichen Gebieten, wie hier im Naturpark Schlaubetal, kann es zu Übergriffen auf Nutztiere kommen. Wölfe jagen halt einfach die Tiere, die sie am leichtesten überwältigen können. Vor allem Schafe und Ziegen sind wegen ihrer geringen Körpergröße, ihrem kaum vorhandenen Fluchtvermögen und ihrer extensiven Freilandhaltung gefährdet.

Nach jahrhundertelanger Ausrottung wurde der Wolf mit der Wiedervereinigung im Jahr 1990 im gesamten Deutschland unter Schutz gestellt. Zehn Jahre danach gab es dann in Sachsen wieder die ersten Wölfe. In Brandenburg wanderte im Jahr 2007 das erste Wolfspaar ein- 2009 erblickten dann die ersten Wolfswelpen das Licht der Welt. Seitdem ist der Bestand kontinuierlich gewachsen. Und so lebten im Jahr 2017 bereits 22 Wolfrudel und 2 einzelne Paare in Brandenburg. Die Reicherskreuzer Heide ist für diesen intelligenten Offenlandjäger ein ideales Nahrungsgebiet. Von den 3 Rudeln im Naturpark besetzt das „Bärenklau- Rudel“ dieses Terrain. Doch auch die Sterblichkeit ist hoch. So wurden von 1990 bis 2016 zehn Wölfe illegal geschossen, 50 fielen dem Straßenverkehr zum Opfer und bei weiteren 11 waren es andere Ursachen.

Da der Süden Brandenburgs fast schon komplett „Wolfsland“ ist, müssen die Jungtiere, die spätestens nach 2 Jahren das elterliche Rudel verlassen, auf ihrer Wanderschaft durch Territorien fremder Rudel auf der Hut sein. Werden sie von Artgenossen erwischt, fallen sie ihnen oft als potentieller Nahrungskonkurrent zum Opfer. Wie auch in der freien Natur Nordamerikas. Durch ihre Verwandtschaft mit dem Hund können Wölfe aber auch an allen Hunde-Krankheiten wie Tollwut, Staupe, Räude oder Borreliose sterben. Ist das vorhandene Territorium aufgeteilt, geht die Reproduktionsrate auch wieder zurück.

Doch keine Angst, wir Menschen gehören nicht zum Beuteschema des Wolfes. Irritiert sind wir nur, weil er uns ebenbürtig begegnet und nicht fluchtartig davon hastet wie z.B. der Fuchs. Meister Isegrim meidet den Kontakt mit dem Menschen. Kommt es dennoch zur näheren Begegnung trottet er langsam davon. Die beiden Schäfer hier in der Heide setzen beim Schutz vor dem Wolf auf ihre ausgebildeten Herdenschutzhunde. Und bis dato wurde noch kein Schaf hier von Wölfen gerissen.

Wie artenreich unsere Welt in Zukunft sein wird, hängt auch davon ab, wie wir mit dem Wolf und anderen großen Beutegreifern umgehen.

Die Wölfe kehren zurück (PDF)

Reptilien

Bei den Reptilien sind Glattnatter und Zauneidechse zu benennen.

Insekten

Zur Arthropodenfauna liegen bisher nur für einige Ordnungen umfangreiche Untersuchungen vor. So sind vor allem die Kenntnisse über Schmetterlinge (Macrolepidoptera), Libellen (Odonata), Heuschrecken (Saltatoria) und Köcherfliegen (Trichoptera) als umfassend einzuschätzen. Aus dem Naturparkgebiet sind mit den neuesten Untersuchungen über 700 Schmetterlingsarten bekannt geworden. Weitere Daten liegen zur Steinfliegen-, Eintagsfliegen-, Zweiflüglern-, Käfer-, Kleinschmetterlings-, Wanzen- und Schaben-Fauna vor.

Flora des Schlaubetals

Im gesamten Naturpark sind bisher bereits über 1.000 Gefäßpflanzenarten nachgewiesen worden. Diese hohe Zahl ist ein Ausdruck der großen Vielfalt unterschiedlicher Biotope im Gebiet. Etwa drei Viertel des Naturparks nehmen die Forst- und Waldbiotope ein. Dominierende Baumart ist die Kiefer in Form der typischen Kiefernforste. Bemerkenswert sind auf Binnendünen wachsende naturnahe Flechten-Kiefern-Wälder, die im Naturschutzgebiet "Mahlheide" dauerhaft gesichert sind. Auf den durch Jahrhunderte lange Streunutzung ausgemagerten Binnendünen gedeihen nur verkrüppelte Kiefern mit eigenartigen Wuchsformen. Am Boden wachsen hier kaum höhere Pflanzen, sondern die Trockenheit ertragende Flechten und Moose. Bekannt ist das Schlaubetal auch wegen seiner typischen bodensauren Eichenwälder (um Siehdichum, Tauersche Eichen). Der aufgrund geländeklimatischer Besonderheiten natürliche Buchenbestand im mittleren Schlaubetal ist der südöstlichste Vorposten der nordostdeutschen Buchenwälder. In einem schmalen Streifen entlang der Schlaube, der Dorche und der Ölse treten zahlreiche Übergangsformen zwischen Erlen-Bruchwäldern und Erlen-Eschen-Wäldern auf. Etwa die Hälfte der Offenflächen des Naturparkes sind Äcker und Ackerbrachen, auf denen als bemerkenswerte Ackerwildkräuter der Acker-Frauenmantel, der Lämmersalat und das Ruten-Leinkraut auftreten können. Grünland nimmt insgesamt weniger als 2 Prozent der Fläche des Naturparks ein, darunter einige bemerkenswerte Feuchtwiesen mit Vorkommen von Orchideen. Deren Anteil ist allerdings durch Nutzungsauflassung rückläufig. Viele ehemals als Feuchtgrünland genutzte Flächen haben sich nach Stilllegung zu Erlenbruchwäldern oder zu Seggen- und Röhrichtmooren entwickelt. Unter den nicht genutzten Flächen hat das NSG Reicherskreuzer Heide eine besondere Bedeutung. Nach Beendigung der Nutzung als Truppenübungsplatz hat sich hier eine Zwergstrauchheide von über 800 Hektar Ausdehnung herausgebildet. Ein Teil davon wird heute mit Schafen gepflegt, ein weiterer Teil wird der Sukzession überlassen. Von landesweiter Bedeutung ist das Vorkommen von Mooren im Naturpark, die eine Gesamtfläche von 221 Hektar einnehmen. Neben Seggen- und Röhrichtmooren gibt es auch Torfmoosmoore und Moorgehölze. Ein typischer und besonders wertvoller Landschaftsbestandteil sind die naturnahen Fließgewässer, die im Naturpark relativ häufig anzutreffen sind. Viele an Seen gebundene Lebensräume gelten als besonders wertvoll, so die Verlandungsmoore, Schwimmblatt- und Röhrichtgesellschaften. Die von der Schlaube durchflossenen Seen sind natürlich eutroph, abseits der Schlaube kommen auch nährstoffarme Standgewässer vor.