Die faszinierende Welt der Wildbienen

Mit der Entwicklung der Blütenpflanzen entwickelten sich auch Bienen. Es gibt sie bereits seit mehr als 100 Millionen Jahren auf der Erde. Von den weltweit mehr als 20.000 Arten leben noch ca. 570 Arten in Deutschland. Wildbienen sind in ihrer Zeichnung, ihrem Körperbau und ihrer Körpergröße sehr verschieden, weil sie sich an die verschiedensten Pflanzen, Lebensräume und -bedingungen angepasst haben. Einige Arten sehen auf den ersten Blick aus wie Wespen, andere wie kleine schwarze Käfer oder sie sind schwarz-weiß gebändert wie Zebras. Es gibt Bienen, so groß wie Hornissen, die blau-schwarz schillern, vergleichbar den Fliegen.

Wohl jeder kennt Honigbienen oder Hummeln. Diese leben, ebenso wie einige Furchenbienenarten (die ihren Namen aufgrund eines kleinen „Scheitels“ im Pelz am Hinterleib tragen), in sozialen Verbänden und übernehmen gemeinschaftlich die Brutfürsorge.

Wusstet Ihr, dass...

  • ... die meisten Wildbienenarten solitär also einzeln leben und auch die Brutpflege allein meistern?

  • ... der größte Teil der Bestäubungsleistung auf Wildbienen zurückzuführen ist?

  • ... es auch sogenannte „Kuckucksbienen“ gibt, die ihre Brut durch andere solitär lebende oder staatenbildende Bienen aufziehen lassen?

  • ... ca. 1/3 aller Wildbienenarten im Boden nisten?

Die Welt der Wildbienen ist faszinierend und facettenreich. Jedoch ist sie durch die Vernichtung von Lebensräumen, Nahrungs- und Brutgebieten sowie durch den Einsatz verschiedener Pflanzenschutzmittel stark gefährdet. Seit Jahrzehnten sinkt die Artenvielfalt, weil in der Agrarwirtschaft keine Rücksicht mehr auf die hochspezialisierten Wildbienen und andere Lebewesen genommen wird. Schwere Maschinen fahren über die Nester auf und im Boden nistender Insekten und pressen ihn dabei so stark zusammen, dass nicht einmal mehr Niederschläge versickern können. Beim Pflügen wird der Boden dann wieder bis zu 40 cm tief aufgerissen, Gänge und Nester von vielen Arten zerstört. Auch ein Blühstreifen am Feldrand nutzt wenig, wenn auf dem Acker mit Chemikalien gegen Beikräuter, Insekten und Pilze gearbeitet wird. Diese Chemikalien breiten sich mit dem Wind, Niederschlag und Sickerwasser auch in den Blühstreifen aus.

Wie könnt Ihr den Wildbienen und anderen blütenbestäubenden Insekten helfen?

Schützt die strukturreichen Lebensräume der Wildbienen sowie deren Futterpflanzen und Brutplätze. Verzichtet auf Pflanzenschutzmittel im eigenen Garten oder auf Eurem Balkon und motiviert Eure Mitmenschen, es ebenso zu tun. Schafft im Garten oder auf dem Balkon kleine Oasen, die vom zeitigen Frühjahr bis in den Spätherbst blühen und dabei Nektar und Pollen spenden (also keine gefüllten Blütenzüchtungen). Lasst etwas Altholz und Laub im Garten liegen sowie Pflanzenstängel stehen, denn in den Hohlräumen nisten und überwintern oft Käfer und Wildbienen. Auch ein Insektenhotel, sonnig und wettergeschützt aufgestellt, kann vielen Insekten die Quartiersuche und das Überleben erleichtern. Wenn das Futter- und Wasserangebot für die Wildbienen im Umfeld passt, wird das Insektenhotel meist innerhalb der ersten drei Jahre besiedelt und es macht viel Freude, den Tieren bei ihrem geschäftigen Treiben zuzusehen.

Wenn Ihr Euch in das Thema Nisthilfenbau für Nützlinge wie Wildbienen, Hornissen, Florfliegen und Co. vertiefen wollt, findet Ihr viele Anregungen auf der Seite des NABU.

Hier erfahrt Ihr, welche heimischen Pflanzen besonders geeignet für eine Wildbienenweide sind. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat ein Pflanzenlexikon Bienenfreundlicher Pflanzen für Balkon und Garten sowie eine Bienenapp zum Download bereitgestellt.

Möchtet Ihr mehr über die verschiedenen Arten und Lebensweisen der Wildbienen erfahren? Schaut Euch gern die Dokumentation "Biene Majas Wilde Schwestern" an. Spezialaufnahmen geben einen fantastischen Einblick in die Welt von Seiden-, Fransen-, Mauerbiene und Co. Klickt einfach auf das Play-Symbol.

Im Kurzfilm "Insekten: Sterben sie, stirbt unser Ökosystem!" aus der Magazinsendung "Quarks" erfahrt ihr, welche Einflüsse die intensive Landwirtschaft auf die Artenvielfalt hat.

Wie Landwirtschaft im Einvernehmen mit der Natur und zum Schutz der Artenvielfalt funktionieren kann, erfahrt Ihr im Kurzfilm "Wie Bauer und Wildbiene sich gegenseitig helfen" aus der Magazinsendung "Quarks". 

Was brauchen Wildbienen zum Überleben?

Ob auf trocken-heißen Felshängen, in Mooren, im Schilf, in Gärten oder lichten Wäldern, Wildbienen sind in Deutschland fast überall ab dem zeitigen Frühjahr bis in den Spätherbst hinein anzutreffen. Die Arten variieren je nach Standort, Tages- und Jahreszeit. Jedoch gibt es für Wildbienenarten, die eine Brutfürsorge übernehmen, verschiedene Lebensraumelemente/ Ressourcen, die während ihres Aktionszeitraumes und innerhalb ihres Aktionsgebietes unabdingbar für ihr Überleben und die Fortpflanzung sind:

  1. Die klimatischen Ansprüche müssen erfüllt sein.

  2. Ein Nistplatz muss vorhanden sein.

  3. Nahrung muss in ausreichender Menge zur Verfügung stehen.

  4. Je nach Art muss ggf. Baumaterial für die Brutzellen vorhanden sein.

Leider wird in der modernen Landwirtschaft nicht mehr so viel Rücksicht auf die Bedürfnisse der Insekten genommen. Wildbienen benötigen strukturreiche Landschaften. D.h. die Landschaft darf nicht so aufgeräumt sein. Findlinge oder Steine, Totholz, Sträucher und leere Schneckenhäuser sind oft überlebensnotwendig für diese kleinen Geschöpfe. Der Strukturreichtum ist wichtig für das Mikroklima, weil so sonnige und schattige Flächen, windgeschützte, feuchtere oder trockenere Bereiche in der Landschaft entstehen, auf die viele Tiere angewiesen sind. Alles in der Natur hat seinen Nutzen, auch wenn es auf den ersten Blick für den Menschen nicht gleich ersichtlich ist.

Hier drei Beispiele:

A) Die Kleine Harzbiene (Anthidium strigatum) benötigt ein engmaschiges Netz verschiedener Teillebensräume. Felsschutthalden, Findlinge oder Baumstämme dienen ihr als Untergrund, an den sie ihre Brutzellen klebt. Diese bestehen aus Harz von Nadelbäumen, bevorzugt Kiefern, die in unmittelbarer Nähe wachsen sollten. Als Futterpflanze ist die Kleine Harzbiene auf den Hornklee (Lotus corniculatus), der auf Magerrasen wächst, gebunden. Der Pollen des Hornklees bildet die Nahrungsgrundlage des Nachwuchses.

B) Die Gehörnte Mauerbiene (Osmia bicolor) benötigt verschiedene Futterpflanzen in Magerwiesengesellschaften sowie im Randbereich ungestörte Gebüsche, in denen leere Schneckenhäuser, bevorzugt von Schnirkelschnecken, zur Brutaufzucht zur Verfügung stehen.

C) Die Lauch-Maskenbiene (Hylaeus punktulatissimus) benötigt als Ressource Lauchgewächse, die im Hochsommer blühen. Deshalb besitzt diese Wildbienenart zwei Siedlungsschwerpunkte. Zum einen südexponierte Felshänge mit Trockenrasengesellschaften, in denen sie den Kugel-, Berg- und Gelben Lauch findet. Zum anderen findet man die Lauch-Maskenbiene in Dörfern und Städten, wo sie Küchenzwiebeln, Schnittlauch und andere Laucharten vorfindet. Sie nistet in altem Holz, Felsen, Lehmmörtel und nimmt auch Nisthilfen (4 mm Lochdurchmesser) an.

 

Basteltipp: Seedbombs

Wenn Ihr Wildbienen, Schmetterlinge und Co. bei der Nahrungssuche unterstützen möchtet, dann bastelt Euch einfach Seedbombs (Samenkugeln). Diese sind sehr praktisch, weil Ihr sie einfach verschenken oder selbst mitnehmen und an einem Ort Eurer Wahl fallen lassen könnt. Ob auf einer Baumscheibe, einem vegetationsfreien Flecken im Park oder im privaten Garten - die Blüten bringen Farbe ins Leben und viel Freude, wenn man die verschiedenen Insekten beobachtet, die sie besuchen. 

Am besten fertigt Ihr die Seedbombs aus Komposterde oder torffreier Blumenerde. Außerdem benötigt Ihr eine feinkörnige Bentonit-Katzenstreu (ohne Zusatzstoffe) und Wasser. Das Saatgut ist der wichtigste Bestandteil. Bei diesem wäre es gut, wenn Ihr darauf achtet, dass das Saatgut von heimischen Pflanzen stammt, denn unsere heimischen Blütenbestäuber haben sich an diese Pflanzen angepasst. Gärtnereien und Saatgutfachhändler bieten fertige Saatgutmischungen mit ein- und mehrjährigen regionalen Bienen- und Schmetterlingsweiden an. Bei Saatgutmischungen aus Discountern oder Baumärkten ist Vorsicht geboten, denn sie enthalten oft nicht-heimische Arten, die für die heimische Fauna keine Nahrungsquelle bieten.

Bastelanleitung:

Sucht Euch zunächst ein kleines Gefäß, mit dem Ihr die Anteile abmessen könnt, z.B. ein kleines Glas oder eine Tasse. Außerdem benötigt Ihr eine Schale oder eine Schüssel, in der Ihr alles vermischen könnt. Dann nehmt Ihr:

  1. einen Teil Blumensamen

  2. vier Teile torffreie Erde bzw. Kompost

  3. zwei Teile feine Bentonit-Katzenstreu

  4. ca. einen Teil Wasser.

Vermischt alle Bestandteile miteinander zu einem bindigen Teig. (Es dauert einen Moment, bis das Wasser von der Erde und dem Katzenstreu aufgenommen wird.) Nun könnt ihr kleine Kugeln formen, die ihr für zwei oder drei Tage zum Trocknen auf das Fensterbrett oder an einen anderen warmen und trockenen Ort legt - bitte nicht auf die Heizung oder in die Sonne legen, weil die Kugeln sonst zu schnell austrocknen und zerfallen.

 

© VDN Meike Freud-Raber